Was sind eigentlich “Gartenstraßen”? Die Idee für mehr Grün in Bochum erklärt
„Die Stadtgestalter“ schlagen die Umgestaltung trister Wohnstraßen in “grün-blaue” Gemeinschaftsräume vor – ein Blick auf die Konzepte aus Paris, Antwerpen und Bochum
- 04.08.2025 um 18:27
- Bochum
Die Idee der sogenannten Gartenstraßen wird auch in Bochum und Wattenscheid diskutiert. Die Wählergemeinschaft „Die Stadtgestalter“ hat aktuell einen Vorschlag veröffentlicht, wie bisher graue Wohnstraßen gemeinschaftlich mit mehr Grün und Natur gestaltet werden können – und diese Immobilien direkt lebenswerter machen.
Doch was versteht man genau unter dem Begriff Gartenstraße, und wie wurde dieses Konzept bereits in anderen Städten umgesetzt? Unser Artikel erklärt das Prinzip, zeigt Praxisbeispiele und beschreibt, wie es auch in Bochum funktionieren könnte.
Was ist eine Gartenstraße?
Unter diesem Begriff versteht man meist schmale Wohnstraßen mit wenig Autoverkehr, die gemeinschaftlich begrünt werden. Grasflächen ersetzen Asphaltflächen entlang der Gehwege, Fassaden und Dächer werden begrünt. Rosenbeete, Bäume, Kinderspielgeräte und Sitzbänke verwandeln die Straße in einen öffentlichen Vorgarten. Fahrzeuge dürfen die Straße nur erreichen, wenn sie bleiben müssen (z. B. Müllabfuhr, Arbeiten). Ideen wie Fahrgemeinschaften parken außerhalb (z. B. Quartiersparkhaus) gehören dazu. Zusätzlich gehört das Konzept der Schwammstraße: Regenwasser wird lokal gesammelt, teilweise versickert oder in unterirdischen Puffern gespeichert.
Eine wesentliche Rolle spielt die Bürgerbeteiligung. Am Beispiel internationalen Vorbildern wurde deutlich: Bewohnerinnen und Bewohner nehmen aktiv an Planung, Gestaltung und Pflege teil – etwa bei Fassadenbegrünung oder bei Pflanzaktionen.
Vorbild Paris
Die französische Hauptstadt fördert seit mehreren Jahren die Anlage sogenannter „rues végétales“ („Grünstraßen“). In der Saison 2024/2025 wurden dort 120 neue Straßen und Plätze begrünt – insgesamt rund 15 000 Bäume allein in dieser Phase. Viele der neuen “Grünstraßen” dienen als Aufenthaltsraum statt als Verkehrsroute. Das ambitionierte Ziel der Stadt ist, bis 2026 bis zu 500 solcher Straßen zu realisieren – zusammen mit Bürgerbeteiligung und örtlichen Initiativen.
Vorbild Antwerpen
Im Rahmen des Projekts „Antwerpen Breekt Uit“ wurden in den Stadtteilen mehrfach sogenannte „Tuinstraten“ („Gartenstraßen“) eingerichtet. In der Gagelveldenstraat in Merksem wurde die Fahrbahn maximal „verblauziert“ – mit Grasbetontegelsegmenten, Bäumen, Grüninseln und hoher Beteiligung der Anwohnerinnen und Anwohner. Straßen wurden gemeinschaftlich neugestaltet und entfestigt, damit Regenwasser versickert und das Mikroklima kühlt.
Warum ist das Konzept interessant für Bochum?
In Bochum und Wattenscheid gibt es zahlreiche Straßen ohne Vorgarten, oft nur Asphalt und wenig Schatten – insbesondere in Straßen wie Franzstraße, Kanalstraße oder Sedanstraße. Bäume fehlen, Wasser kann nicht versickern, die Straßen > 30 °C aufheizen – all das senkt die Wohnqualität.
In ihrem Text schlagen “Die Stadtgestalter” eine Umwandlung von drei bis fünf geeigneten Straßen pro Jahr vor – mit Bürgeranträgen, Mitgestaltung und Initiativen vor Ort. Die Beteiligten sollen bei der Pflanzenauswahl, Pflege und Wiederbegrünung mitentscheiden. Die Stadt soll passgenaue Rahmenbedingungen schaffen: etwa Förderprogramme für Fassadenbegrünung, Regenwassernutzung, Beteiligungsprozesse, Blockparken statt Parken in der Straße.
Welche Vorteile erwarten Anwohner und Stadt?
• Mehr Grün und blaue Infrastruktur (Versickerung) zur Klimaanpassung – weniger Überhitzung im Sommer, Schutz gegen Starkregen.
• Mehr Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum – sichere Spielflächen, Begegnung, Straßencafés.
• Höhere Bürgerbeteiligung stärkt die nachbarschaftliche Identität.
• Reduzierter Parkdruck durch externe Parkräume und weniger Asphaltflächen.
Was ist der Stand in Bochum?
„Die Stadtgestalter“ stellen die Idee derzeit als konzeptuellen Vorschlag vor – ohne formelle politische Verknüpfung, sondern als Beitrag zur nachhaltigen Stadtentwicklung. Es gibt bislang keinen offiziellen Umsetzungsplan der Stadt Bochum, jedoch wendet sich dieser Artikel an interessierte Bürgerinnen und Bürger, Stadtteilvereine und Verwaltung, um die Idee weiterzuverfolgen.
Weitere Informationen zum Konzept und den Hintergründen sind auf der Website der „Die Stadtgestalter“ verfügbar. Beispiele aus Paris oder Antwerpen können als Inspiration dienen – insbesondere zur Bürgerbeteiligung und einer stufenweisen Umsetzung.
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- Quelle(n): Die Stadtgestalter Bochum
Autor
Nils Bettinger
Gründer und Redaktionsleiter.
Hält den Kopf für alles hin.
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