STADTGESTALTER: Wattenscheid steht bundesweit als Symbol für Niedergang
Partei kritisiert jahrzehntelanges Desinteresse der Bochumer Politik: Prestigeprojekte statt Stadtteilentwicklung
- 03.09.2026 um 20:26
- Bochum
Die Lokalpartei Die STADTGESTALTER übt scharfe Kritik an der Bochumer Politik im Umgang mit Wattenscheid. In einer aktuellen Stellungnahme heißt es, der Stadtteil sei mittlerweile bundesweit zu einem Synonym für Niedergang geworden, vergleichbar mit Stadtteilen wie Marxloh, Altenessen oder der Dortmunder Nordstadt.
Nach Darstellung der STADTGESTALTER zeige sich der Verfall vor allem baulich: Es fehle an belebten Plätzen, sanierten Fassaden und einem funktionierenden Radwegenetz. Stattdessen prägten zugeparkte Gehwege, seit Jahrzehnten nicht sanierte Straßen, fehlende Bäume und illegale Müllablagerungen das Bild. Die letzte größere bauliche Veränderung in der Wattenscheider Innenstadt habe Ende der 1980er-Jahre mit der Neugestaltung des Rosenviertels stattgefunden – ein Projekt, das nach eigener Einschätzung der Partei städtebaulich gescheitert sei.
Die Partei sieht als Hauptursache für die Entwicklung ein anhaltendes Desinteresse der Lokalpolitik an einer zeitgemäßen Stadtentwicklung. Fördermittel seien in der Vergangenheit nach dem Gießkannenprinzip verteilt worden, ohne strukturelle Wirkung zu entfalten. Investitionen habe es vor allem in städtische Prestigeprojekte wie das Musikforum, das Lohrheidestadion, das Ruhrstadion oder eine neue Großsporthalle gegeben, während die Stadtteilentwicklung vernachlässigt worden sei.
Als weitere Ursache benennen die STADTGESTALTER eine ablehnende Haltung gegenüber Veränderungen nach der Eingemeindung Wattenscheids nach Bochum. Vorschläge von außen seien lange grundsätzlich abgelehnt worden, verbunden mit dem Anspruch, nur Wattenscheider selbst wüssten, was für die Stadt gut sei. Zudem habe man sich geweigert, von erfolgreichen Städten zu lernen und dort funktionierende Konzepte zur Innenstadtentwicklung zu übernehmen.
Die Partei kritisiert außerdem ein anhaltendes Schönreden der Lage durch die Politik. Verwiesen wird auf die mediale Debatte, die nach einem Auftritt des CDU-Europaabgeordneten Dennis Radtke bei „Markus Lanz“ am 20. August 2026 ausgelöst worden sei. Seitdem werde bundesweit über die Zustände in Wattenscheid diskutiert.
Nach Einschätzung der STADTGESTALTER habe die negative Berichterstattung bislang jedoch nicht zu einem Umdenken in der Lokalpolitik geführt. Auch der drohende Machtverlust an rechtspopulistische Kräfte habe bisher keine sichtbare Kehrtwende bewirkt. Der Ruf Wattenscheids sei durch die anhaltende Vernachlässigung nachhaltig beschädigt worden.
Newsletter abonnieren - lokal & zuverlässig
Unser kostenloser Newsletter hält Sie täglich über die wichtigsten Nachrichten aus Bochum auf dem Laufenden - direkt ins E-Mail-Postfach.
Jetzt Newsletter abonnieren
- Quelle(n):
Autor
Nils Bettinger
Gründer und Redaktionsleiter.
Hält den Kopf für alles hin.
Aktuelle Artikel
Wetter
- Castrop-Rauxel
43%
5.00 km/h